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Ein Bild ohne Bilderrahmen ist wie eine Seele ohne Körper.

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Kunstwerk und Rahmen – Eine wirkungsphilosophische Annäherung

Januar 10th, 2009 · Keine Kommentare

Das Wesen des Kunstwerkes ist, ein Ganzes für sich zu sein

Georg Simmel

Um das Wirken eines Kunstwerks zu verstehen, ist es naheliegend seine einzelnen Komponenten, deren Zusammenhang und besonders ihr Zusammenspiel zu betrachten. Ein Kunstwerk ist immer eine Einheit aus Einzelheiten, welche sonst nur der Welt als Ganzes und der Seele zugeschrieben werden.

Wir gehen von einem Kunstwerk in Form eines Bildes aus, demnach von dem Wechselspiel zwischen den Einzelheiten Rahmen und Bild. Anlehnend an die These des Philosophen und Soziologen Georg Simmel (1858-1918), die er in seinem Vortrag Der Bildrahmen Ein ästhetischer Versuch1 aufstellte, schließt sich das Kunstwerk gegen alles ihm Äußere ab. Dieser Abschluss ist als eine Art Grenze anzusehen. Wenden wir diese Theorie auf ein Kunstwerk in Form eines Bildes oder Gemäldes an, so wird der Abschluss durch den Rahmen gebildet.

Georg Simmel
Georg Simmel

Simmels kritische Auseinandersetzung mit der Wirkungsästhetik offenbart hier folgerichtig, dass der Rahmen eines Kunstwerkes eine Doppelfunktion einnimmt. Einerseits stellt er einen Abschluss, eine Art Gleichgültigkeit und Abwehr nach außen dar, andererseits vereinheitlicht er nach innen und bildet einen Zusammenschluss von Rahmen und Bild, von außen und innen. Die Doppelfunktion des Rahmens ist demnach eine Symbolisierung und gleichzeitige Verstärkung des Kunstwerks durch den Rahmen.

Man kann daraus schlussfolgern, dass die abgrenzende Funktion, die ein Bilderrahmen offensichtlich besitzt, ausschließt. Und wenn der Bilderrahmen ausschließt, ist der Betrachter in diesem Ausschluss ebenso betroffen wie alles andere. Warum schließt ein Rahmen aber ganz offenbar doch nicht aus, sondern läd den Betrachter vielmehr ein, sich mit dem Kunstwerk und Werkinneren zu beschäftigen?

Simmel bietet hier an, dass gerade der Ausschluss des Betrachters verhilft, das Kunstwerk in Distanz zu stellen. In jener Distanz erst könne sich die Ästhetik genießbar entfalten.

Fassen wir zusammen: Aus der Distanz und der Einheit, Aus Antithese und Synthese, aus der einen und der anderen Seite, tritt eine tiefere, befriedigende Geschlossenheit hervor, jene Eigenschaft eines (gerahmten) Bildes, die den Betrachter vereinnahmt und ihn somit wieder miteinschließt.

Simmels Ansatz ist vor allem dahingehend gerechtfertigt und erscheint nachvollziehbar, insofern Distanz, auch abseits der Kunst, tiefgründigeres Urteilen erst ermöglicht. Hier offenbart sich der interpretative Ansatz der Wirkung eines Bilderrahmens und die unbewusste Verstärkung des Inbegriffenen beim Rezipienten.

1 aus: Georg Simmel, Aufsätze und Abhandlungen 1901-1908, Band 1, hrsg. von Rüdiger Kramme, Angela Rammstedt und Otthein Rammstedt, in: Georg Simmel, Gesamtausgabe,hrsg. von Otthein Rammstedt, Band 7, S. 101-108

Tags: Eine philosophische, psychologische und ästhetische Begegnung